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Die wunderschönen Zeichnungen stammen aus der Feder von Volker Kriegel.
Für seine Erlaubnis zur Verwendung: Herzlichen Dank :-)

„Wir
haben uns immer gefragt, warum unser Publikum so jung ist. Eine
ganz interessante Analyse hat jetzt der Albert Mangelsdorff
gemacht. Und zwar hat er gesagt, daß wir uns nicht etwa
einbilden sollten, Idole zu sein für das Publikum, wie die
Popstars das sind. Vielmehr würden die jungen Leute sich wünschen,
daß so ihre Väter aussehen, wir also die Idealbilder ihrer
alten Herren sind! Und ich hab darauf geantwortet, dann wären
wir eigentlich total aus dem Schneider im Gegensatz zu den
Popstars, deren Zeit abgelaufen ist, wenn sie einen dicken Bauch
kriegen, während wir erst jetzt richtig loslegen.“
Wolfgang
Dauner
Kann
man dem Phänomen auf die Schliche kommen? Ist es möglich, sich
zehn international, ja weltweit renommierten Jazz-Individualisten so
dicht an die Fersen zu heften, bis man herausgefunden hat, was die
Aura ihrer Platten und Live-Konzerte ausmacht?
Was
ist das besondere an dieser Band, die als lockere Studioformation
begonnen hat und heute, nach rund einem Vierteljahrhundert, ein souveränes
Musik-Ereignis ist, wo immer sie auftaucht?
Erste
Nachfrage und überraschendes Resultat: Das Ensemble ist kein kühl
kalkuliertes Musik-Produkt, wie es den Anschein haben mag, wenn man
sich die Besetzung in ihrer All-Star-Qualität anschaut. Es war mehr
als die Verknüpfung von Ideenreichtum, instinktsicherer
Personalpolitik und der notwendigen Portion Glück, daß kam, was
nicht kommen mußte.
Ein
wenig Biographisches. 1975 plant der Fernsehregisseur Werner
Schretzmeier, eine ARD-Jugendsendung mit musikalischem Pfiff
abzurunden. Nichts liegt näher, als sich an Wolfgang Dauner zu
wenden, dessen Avantgardegruppe „et cetera“ Schretzmeier bis
1972 gemanagt hat. Mit dem experimentierfreudigem Stuttgarter, der
schon zu dieser Zeit so etwas wie ein Koordinatenpunkt der deutschen
Jazz-Szene ist, überlegt er, wie man eine Studiogruppe in die
Sendung einbauen könne und was für eine Musik das sein müsse.
„Als Zielgruppe waren hauptsächlich Jugendliche angepeilt, und da
war klar, daß wir uns nicht auf alle möglichen Musikabenteuer
einlassen konnten“ erzählt Dauner. „Klar fiel auch das Wort Rock,
und da habe ich mich sofort an den Jon Hiseman erinnert, mit dem ich
schon eine Platte gemacht hatte und seitdem befreundet war. Und über
diese persönlichen und musikalischen Begegnungen kamen auch andere
Namen ins Spiel: Albert – Volker – Ack...“
Was
dabei herauskommt, wenn man einer politisch grundierten TV-Serie mit
Posaunenton und Schlagstock
musikalische Rückendeckung gibt, ist noch keineswegs eine
Studiokapelle in fester Besetzung. Zunächst hieß das Unternehmen Elfeinhalb Ensemble (benannt nach der Fernsehsendung sonntäglicher
Sendezeit) und spielt von Mal zu Mal mit wechselnder Mannschaft,
weil es bei den Vollbeschäftigten im internationalen Musikbetrieb
natürlich Terminprobleme gibt und überdies an eine einheitliche
Formation damals noch gar nicht gedacht ist. Dennoch greifen Dauner
und Volker Kriegel, die in der Anfangszeit auch die Stücke
schreiben und arrangieren, wenn möglich auf dieselben Musiker zurück,
weil sich ein Repertoire herauszubilden beginnt und zusehends ein
Feeling bestimmter Musiker füreinander aufkommt.
Anfragen
an die Fernsehredaktion beginnen sich zu häufen: Wo denn die
Platten dieser Kapelle erhältlich seien, ob es auch öffentliche
Auftritte gäbe. Und da, erzählt Wolfgang Dauner, war es nur
konsequent, die Chance aufkeimender Popularität zu nutzen und es
mit einer Platte zu versuchen. Doch es gibt unvermutete Probleme,
keine Firma will so recht mitmachen. Ein angereister Produzent
findet, daß sich das ja alles ganz gut und schön anhören würde,
man diese Musik aber doch auch mit nur sechs Leuten machen könne.
Eine durchschlagende Diagnose, wie Wolfgang Dauner findet, der sich
schon in seiner sinfonischen Komposition "Der
Urschrei des Musikers", einer Reflexion sozialer und ökonomischer
Bedingungen des Musikbetriebes, intensiv mit den
Produktionsbedingungen auseinandergesetzt hatte. Nun hat er endgültig
genug davon, sich mit den eingefahrenen Vorstellungen der
Plattenfirmen herumzuschlagen, will jetzt auf eigene Faust
produzieren. Und als Zweitausendeins
sich bereit erklärt, den Vertrieb zu übernehmen, sorgen die
Musiker selbst für das notwendige Startkapital und wagen den
Einsatz.
Das
Ergebnis ist mittlerweile bekannt: Live
im Schützenhaus wird zur erfolgreichsten deutschen Jazz-LP seit
Jahrzehnten. Die Plattenfirma mood
records bekommt eine solide Grundfinanzierung und damit
Spielraum für ein differenziertes Musikprogramm. Und: Das United
Jazz And Rock Ensemble ist entstanden – eine “Big” Band in
Größe und Besetzung, wie sie schon in den ersten Bigbands der 20er
und 30er Jahre bei Jelly Roll Morton und Fletcher Henderson üblich
war, dann für die Jazzrock-Formationen der 70er Jahre typisch
geworden ist.
Fast schon folgerichtig war der Deutsche
Schallplattenpreis 1978 in der Kategorie "Künstler des
Jahres".
Wenn sich
Werner Schretzmeier heute zurückerinnert an die Zeit, in der das
Ensemble zusammenfand und sich zunehmend stabilisierte, ist er gar
nicht so unglücklich darüber, daß es diese Startschwierigkeiten
gegeben hat: „Das Ganze ist ohne größere finanzielle Abenteuer
entstanden. Wir haben damals nicht die Köpfe nicht zusammengesteckt
und gesagt ‚Das Ding setzen wir in den Markt’ – womöglich
noch mit gehörigem Werbeetat. Das Ensemble, die Plattenfirma, die
Selbstorganisation sind vielmehr ein Unternehmen nach dem Motto:
‚Alles Gute kommt von unten’ und wird überlebensfähig sein,
weil es zum einen ein wohlüberlegtes, von allen Beteiligten
getragenes inhaltliches Kulturverständnis gibt, genauso aber diese
Mischung aus gewachsenen Strukturen und Musikerfreundschaften. Im
anderen Falle wäre United womöglich ein Szene-Ereignis für eine
Saison gewesen – und dann Feierabend.“
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